HUMAN___gold Projektbeitrag von Evelyn Kreinecker
   






Fragen / Keine Antworten / Ungewissheiten

Eingespannt in ein Netz an Bedeutungsebenen  und Verbindungen und doch schwebend sind die „Wegstücke“ positioniert. Bilder über Menschen, die Wege gehen. Überall auf der Welt und aus unterschiedlichsten Gründen zu  verschiedensten Zielen -  Alltägliche, Notgedrungene, Beglückende, Suchende. Es sind Momentaufnahmen, die Geschichten erzählen und Fragen stellen.

Welche Wege können wir gehen, dürfen wir gehen, müssen wir gehen? Welche Wege stehen uns offen, welche sind uns verwehrt? Welche Wege stehen anderen offen, welche sind ihnen verwehrt? Wohin sind wir unterwegs? Was bewegt uns?

Wie eine Wolke hängen diese Fragen und diese Bilder um uns. Sie lassen sich nicht festlegen, es bleibt etwas Ungewisses, eine Verunsicherung. Stehend auf unzähligen Namen und Nummern -  Sinnbild menschlichen Daseins, sind wir damit konfrontiert.

Aufbruchgeschichten, Pilgerreisen, Wallfahren – eigentlich Menschheitsmythen, Urerfahrungen die zunächst einmal positiv konnotiert sind. Wenn es um uns geht. Um unsere Kultur. Um unsere Traditionen. Um unsere Erzählungen.

Was beunruhigt uns, wenn wir jetzt Menschen auf dem Weg sehen? Was verbinden wir jetzt damit? Welche Erfahrungen verknüpfen wir mit diesen Bildern? Welche Ängste lösen sie aus?

In der Rezeption dieser Bilder zeigt sich zugleich welche Stereotypen zur Zeit entstehen. Ist jeder gehende Mensch mit Rucksack ein Flüchtling – oder geht er einfach wandern? Ist jeder Mensch mit fremden Gesichtszügen auf dem Weg nach Europa – oder geht er einfach zur Arbeit? Was passiert gerade in unseren Köpfen? Wohin verändern wir uns? Wollen wir das?

Und darf ich das als Künstlerin überhaupt, solche Fragen stellen, diese Themen besetzen? Ist es eine nicht legitime Aneignung, eine Verzweckung? Dem Vorwurf nur aktuell sein zu wollen, um Trends abzubilden, ist man schnell ausgesetzt und der Künstler als Seismograph längst abgedroschen.

Und dennoch „kann man nicht an der Zeit vorbei“.

Der Leiter der Frankfurter Städelschule, Professor Nikolaus Hirsch, sagt in einem Interview auf die Frage, was die Gesellschaft von den Künstlern erwarten kann: „Vielleicht eine Rolle als Sensorium für neue Fragen und Ungewissheiten oder die Verstärkung von Ungewissheiten. … Ich glaube, dass es im Idealfall eher darum geht, eine Art von Differenz herzustellen, so dass der Betrachter für sich neue Fragen aufwirft und vielleicht auch ein bisschen unsicher wird, was Wahrnehmung letztlich ist.“

In gewisser Weise geschieht dieses Infragestellen und Irritieren auch in dem Animationsfilm „Wegstücke“. Mit Kohle auf demselben Stück Leinwand gezeichnet wachsen Szenen, die sich immer wieder verändern, überlagern und wieder verschwinden bis schließlich nur noch Spuren bleiben.

Evelyn Kreinecker
Atelier / Hauptstraße 31 / 4731 Prambachkirchen
www.evelynkreinecker.at

 

  Der Film (Premiere!) entstand während der "Langen Nacht der Museen" im Museum Angerlehner.
Filmmusik - komponiert und begleitet - von Norbert Trawöger
   
  > Ein Blog Beitrag von Evelyn Kreinecker im Museum Angerlehner >>>
   
  Den besten Einblick in ihre Arbeit bietet der aktuelle Bericht:
   
  "MAN KANN NICHT AN DER ZEIT VORBEI"
  Ein Portrait von Evelyn Kreinecker im OÖ Kulturbericht 0708/17 - von Gerald Polzer
   
  In der Einleitung steht:
  "UNSERE HEUTIGE WELT IST VOLLER GEGENSÄTZE: Privatheit und Öffentlichkeit verschwimmen immer mehr, jeder Mensch beobachtet und wird beobachtet. Wo die Grenze zwischen Intimität und der Außenwelt liegt, ist einer der großen Themenkreise in der Arbeit von Evelyn Kreinecker, die sich dabei fast ausschließlich mit Menschen beschäftigt. Ob als Individuum oder Teil einer Masse, die Künstlerin versucht jeder Figur Persönlichkeit und "Schicksal" einzuhauchen." (...)
   
  Das gesamte Interview als .jpg - zum Vergrößern anclicken.
   
  Portrait von Evelyn Kreinecker im OÖ Kulturbericht 0708/17
   
  Weitere Informationen zum Zyklus "Wegstücke" finden sich auf:
  www.evelynkreinecker.at
 
  www.ente.me  Norbert Trawöger