K.O.vid21 #08

LEMNISKATE  09

ERÖFFNUNG     

Di. 5. Mai 2026 um 14 Uhr

(Erstmals am Dienstag!)


DAUER                      

bis 12. Juni 2026

BEGRÜSSUNG     

Mag. Katrin AUER

(Kulturstadträtin, NR Abg.)


ERÖFFNUNGSREDE

Mag. Alexandra CSONGRADY

Christina E. Reichsthaler



Kurt Schiffel

Foto (c): Helena Wimmer

Nach dem Abschluss ihres Studiums in Multimedia Art wandte sich die Malerin – bekannt für ihre farbintensiven Bildwelten – reduzierten, prozessorientierten Ausdrucksformen zu.


Die in Micheldorf lebende Künstlerin hat im Zuge jahrelanger Auseinandersetzung die Technik der Seismografik entwickelt, welche Bewegungen, die aus der Umwelt auf sie einwirken, sichtbar macht. Das Rattern von Zügen, das holprige Schaukeln eines Busses, Schleudergänge von Waschmaschinen, sowie Vibrationen zweckentfremdeter Massagegeräte finden auf diesem Wege ihren visuellen Ausdruck auf Papier – nicht sie dirigiert die Linie, sondern die Erschütterungen und Bewegungen lassen diese wachsen. Die dadurch entstehenden Objekte, verästelte Linien, erinnern an Blutgefäße, Landkarten und Wurzelwerk


Die Ausstellung vereint Schwarz-Weiß-Grafiken und zwei Triptychen mit einer besonderen Entdeckung: Bilder eines unbekannten, verstorbenen Künstlers, die kurz vor der Entsorgung gerettet wurden. Reichsthaler hat diese größtenteils unfertigen Werke aufgenommen und seismografisch weitergesponnen – eine stille Kollaboration über den Tod hinaus.


Ein Retro-Bandmassagegerät steht den BesucherInnen vor Ort zur Verfügung und lädt zur eigenen, ganzheitlichen Kunsterfahrung ein.

Geborener Steyrer, wohnhaft in Grünburg an der Steyr, Zeichner, Maler, Schreiber.
Er hat den Beruf des Lehrers ergriffen und in der Hauptschule in Grünburg im Steyrtal unterrichtet, Bildnerische Erziehung, Deutsch, Geschichte, Sport und Werken aber auch vieles mehr.


Neben der Lehrtätigkeit war immer Zeit, sich mit Künstlerischem intensiv zu beschäftigen, Teilnahme an Symposien, Ausstellungen bei Kunstmessen, Organisation von Ausstellungen in seiner gallery4art in Steyr.
In den letzten Jahren sind auch drei Bücher von ihm im deutschen WildleserVerlag erschienen.


Seine Liebe gilt zuvorderst der Zeichnung, der Linie. Er beschäftigt sich mit seinen Themen in längeren Serien, abstrahiert und reduziert, nur noch wenige Linien beschreiben die Architektur, die Rosenranke, die Figur - dazwischen und rundum lässt er den Raum, in dem sich die Geschichten zu den Bildern entfalten können.


Meist ergänzt oder unterlegt er seine grafische Arbeit mit farbigen, gedruckten Flächen seines aktuellen Formen - Repertoires, schafft damit eine zweite, gewissermaßen stimmungsgebende Bildebene und setzt damit formale und kompositorische Akzente. Schrift wird vereinfacht, verfremdet, zur eigenen Kunstschrift. Für ihn ist Zeichnen – das Dahin zeichnen - auch eine Art zeitloser Meditation.


Unser menschliches Bewusstsein hat sich, so glaubt man heute - in einem sich gegenseitig aufschaukelnden Rückkoppelungs - Prozess von manuellen Fähigkeiten und Gehirnentwicklung, von technischem Geschick einerseits , von Abstraktion und Begriffsbildung andererseits entwickelt. Die Hände dienten auch sehr früh der Informationsübermittlung, dem Zeigen, bestimmten Gesten, dem Rechnen mit den Fingern.


Auch in unserer Sprache schlägt sich diese enge Verbindung von Hirn und Hand in Worten wie „Handeln“ oder „Begriff“ nieder.


Gerade das Zeichnen, in dem Wahrgenommenes, Erfahrung und inneres Erleben für Andere sichtbar und auf einer schwer zu bestimmenden Ebene erfahrbar wird, ist so eine Brücke zwischen Vorstellung und materieller Welt, und zwar weitgehend über alle Sprach- und Kulturbarrieren hinweg.


Prähistorisch ist das Auftreten von Ornament und Zeichnung ein starkes Indiz für Denken und Bewusstsein. Dieser Zeitpunkt wird durch neue Funde immer mehr in die Vergangenheit verschoben, die derzeit ältesten bekannten Ocker-Ritzungen in Südafrika werden auf mindestens 75 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert.


Die heute erzählten Geschichten sind Kinder unserer Zeit, aber der Augenblick der Betrachtung ist zeitlos.


Ich schließe mit einem Zitat von Paul Klee:
„Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen‘‘