K.O.vid21
#14
be(k)lebt
GSALLER
GOLDHOFF
EBENHOFER
SCHOENANGERER
Eröffnung Do. 4. Dez. 2025 14:00
Dauer bis 06. März 2026
BEGRÜSSUNG
NR Abg., Kulturstadträtin
Mag. Katrin AUER
ERÖFFNUNG
Dr. Peter ASSMANN
Musikalische Begleitung
Katharina WEISSENGRUBER
(Graffiti Vertonung "Rederbrücke Steyr")

Eröffnung der "be(k)lebt" Ausstellung
Video und Foto: Thomas Faller (Magistrat)

Walter EBENHOFER
# UHU lebt - TESA klebt (2025)
Ein UhuRoller und ein TesaRoller werden in sachlicher Manier fotografisch gescannt dargestellt
Auf Grund der Art und Weise der Darstellung können die Zuordnungen lebt bzw. klebt getroffen werden.
UHU suggeriert und entfaltet bereits als Wort sehr stark seine olfaktorisch_haluzinatorische Kraft - wird unmittelbar lebendig. Das TESAobjekt mag auf Grund der Art der Darstellung ambivalente Deutungen hervorrufen.
# von klebt zu lebt
Ergänzt werden die beiden Bilder durch eine Serie kleinerer Bilder von Tesa-Klebebandrückständen. Klebebänder waren auf schwach fettigem Metall langzeitlich immer wieder starkem Sonnenlicht und somit auch einer wechselnden Temperatureinwirkung ausgesetzt. Die Klebebänder wurden nach längerer Zeit abgezogen. Die Klebeschicht des Bandes blieb als abstraktes Bild am Metall zurück.
Johannes GOLDHOFF
Vereinigung (2022/2025)
Reflektierend auf den unerwarteten Prozess der innigen Vereinigung von Kunst und Raum in der Steyrer Rathausgalerie, die von manchen auch als Verletzung wahrgenommen wird, zeigt sich in meinem Beitrag diese Vereinigung prozessorientiert in Gold
1 OG
Gewisse Buchstaben der Wandzitate im 1. OG werden vergoldet. Die Wandfarbe des ehrwürdigen Gebäudes wird damit nicht „verletzt“
Die gegenüberliegende Wand ist für meine drei Kollegen freigegeben
2 OG
Weiters zeigen sich Arbeiten mit Buchstaben (abgenommen 2022) und deren „Verletzungen“ im 2. OG. Auch Werke aus Text Relikten von vergangenen Handlungen sind zu sehen und vereinen sich thematisch wertschätzend mit dem Rathaus der Stadt Steyr
Abplatzungen, als Verfall wahrgenommen, werden erhöht und belebt
Harald GSALLER
“hole_HELL“ (2024/2025)
Bodo Hell gewidmet
Zweimal haben der Schriftsteller und Senner Bodo Hell und der Bildende Künstler und Autor Harald Gsaller zusammengearbeitet: 1990 liefert Hell – auf Vermittlung des Verlegers Heimrad Bäcker – für das gänzlich Gsallers vielgliedriger Foto-Text Arbeit “ “, 1989 gewidmete „neue texte Heft 43“ (Topoi: Zensur, Tabu, Auslöschung) einen Parallel-Text.
Der abschließende Teil-Satz lautet: „Ja, auch ich habe wie Sie bei diesem Bild und bei den anderen Bildern meine Vermutungen, hüte mich aber, diese auszusprechen.“
2002 gestaltet Hell für Gsallers rhetorisch-enzyklopädisch konzipiertes Buchprojekt „Wiese“ den Anwendungs-Text „wer zieht hier/sieht hier durch“.
Wer Hell von seinen Büchern, seinen Auftritten her gekannt hat, (gar in der blauen Minute vor einem gemeinsamen Auftritt eine Flasche Meisterwurz geschenkt bekam), der weiß um ein asketisches Moment in Hell und zugleich um seine starke Zugewandtheit zur Natur (die den Menschen selbstverständlich einschließt).
Als der Autor dieser Zeilen im Herbst letzten Jahres (2024) im Netz von Bodo Hells Abgängigkeit, seinem „Verschwinden/Aufgehen in der Landschaft“ hört, meldet sich außer einer Enge um die Kehle, eine Regung spontaner Trauer, zugleich die tröstende Erinnerung an eine Zeile des in den Bergen gelebt habenden, von Taoismus und (chinesischem) Chan-Buddhismus (Zen) beeinflussten Dichters Hanshan (aus den „Cold Mountain Poems“): „Take this old body home and hide it in the mountains!“
Andreas SCHOENANGERER
"SOURCE STATEMENT", (2025)
Eine Serie von Collagen aus Collage, Decollage und ([Saflor-]Öl-)Dripping.
Die Serie erforscht Erinnerung, Materialität und Mehrdeutigkeit. Sie richtet den Blick zurück auf eine spezifische industrielle und bürokratische Vergangenheit, die sich im fortwährenden Muster der blassgrünen Teile des Endlospapiers aus den Nadeldruckern der Abteilung Kostentechnik der Steyr Daimler Puch AG manifestiert. Dieses Papier war einst ein fester Bestandteil administrativer Abläufe und diente dem Künstler als erster Malgrund – meist bediente er sich der Rückseiten.
Die „endlosen“ Zeilen sind mit Anweisungen in Assemblersprache bedruckt, einer heute als antiquiert geltenden Programmiersprache, die jedoch in Nischen der hardwarenahen Programmierung nach wie vor als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine dient, um komplexe technische Abläufe verständlich zu machen.
Tropfen von Safloröl verdrängen die Luft zwischen den Papierfasern und schaffen so eine physische Durchlässigkeit zwischen den collagierten Schichten. Diese Materialien werden selbst zu Trägern von Geschichte, ebenso wie die vorwiegend verwendeten Chromolithografien aus Meyers Konversationslexikon von 1897, einer damals maßgeblichen Enzyklopädie, die nicht nur Experten, sondern der breiten gebildeten Öffentlichkeit Wissen und Bildung zugänglich machen wollte.
Andreas Schoenangerer ist ein Seiltänzer – im wörtlichen und im übertragenen Sinn; der schmale, schwingende Grat ist ihm zur eigentlichen Heimat geworden. Er hat sich den Aspekten der Ambiguität verschrieben, indem er Vieldeutigkeit und Mehrschichtigkeit als integrale Bestandteile seines künstlerischen Ausdrucks akzeptiert und lebt. Dabei verwendet er Metall wie Mörtel und Stoff wie Pinsel, erschafft Objekträume und Raumobjekte, absurde Apparate und Resonatoren.
2022




2025 am 11. November

Schaden oder Kunstprozess?
